2007 - Interview des Goethe-Instituts mit Quintett Chantily
  Einer der wichtigsten Musikwettbewerbe im Bereich klassischer Musik ist der Internationale Musikwettbewerb der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland). Er findet zwar seit 1952 jedes Jahr im Spätsommer in München statt

Allerdings werden im Turnus die verschiedenen Instrument- oder Ensemble-Wertungen jeweils nur alle vier Jahre ausgeschrieben. 2006 stand die Wertung „Bläserquintett“ auf dem Programm – und was sich im Vorfeld zu diesem Wettbewerb in Berlin abspielte, klingt fast unglaublich: Denn fünf befreundete Musiker fassten mal eben den Entschluss, sich als Bläserquintett Konkurrenz und Jury zu stellen. „Wir haben uns einfach formiert und uns den ARD-Wettbewerb als Ziel vorgenommen“, sagt Florian Grube, der Oboist im Quintett Chantily. Die Musiker kommen aus drei verschiedenen Nationen, leben alle in Berlin, kennen sich aus Studienzeiten, sind mittlerweile als Solobläser in einigen der renommiertesten deutschen Sinfonieorchestern tätig und spielen auch gerne Kammermusik. Der ARD-Wettbewerb sei eine harte Nuss für den Beginn einer Ensemble-Karriere, betont Florian Grube und fügt hinzu: „Ein spannendes Unterfangen!“

Monatelange, intensive Proben während eines Sommers schweißten die fünf zu einem homogenen Team zusammen. Das Ergebnis war fulminant – neben dem 2. Preis der Gesamtwertung erhielt das Quintett außerdem den Publikumspreis und den Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition. Ein herausragendes Kammermusikensemble war geboren. „Wir sind unheimlich gut zueinander gewachsen und fragen uns heute noch, wie wir diese künstlerische und menschlichte Harmonie im letzten Jahr hingekriegt haben“, meinen die Musiker, ein wenig über sich selbst staunend. Unterstützt und unterrichtet wurde das Quintett Chantily bei der Arbeit von namhaften Künstlern wie der international als Solistin tätigen Hornprofessorin Marie-Luise Neunecker, der Oboen-Solistin und ARD-Preisträgerin Clara Dent sowie dem Dirigenten Marek Janowski.

Chantily Bläserquintett Berlin
Das Quintett Chantily musiziert in einer deutsch-russisch-ungarischen Besetzung. Pirmin Grehl wurde 1977 in Rodalben geboren und ist seit September 2002 Soloflötist im Berliner Sinfonie Orchester. Florian Grube (*1978 in Berlin) ist seit 2005 stellvertretender Solooboist im Rundfunksinfonieorchester Berlin. Der Landshuter Johannes Zurl gehört seit 2005 der Herbert-v.-Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker an. Dmitry Babanov wurde in St. Petersburg geboren, ist Solohornist seit 1999 im Philharmonischen Staatsorchester Halle und seit 2003 im Konzerthausorchester Berlin. Bence Boganyi schließlich stammt aus einer ungarischen Musikerfamilie und ist an folgenden Orchestern als Solofagottist tätig: seit 1997 an der Staatsoper in Helsinki, seit 2002 im Philharmonischen Orchester Helsinki, seit 2005 beim Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Berlin und seit 2007 bei den Münchner Philharmonikern.

Die Resonanz nach dem Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2006 war immens, erzählen die Fünf vom Quintett Chantily. Ein Erfolg bei diesem so renommierten und karrierefördernden Wettbewerb gleicht für junge Musiker einem Ritterschlag, aber er ist auch eine Auszeichnung, die zu Qualität und Zukunft verpflichtet. Daher wird es für das Quintett Chantily nun spannend, wie es nach den ersten Auftritten u. a. im Konzerthaus Berlin und der Philharmonie Berlin weitergeht: Neue Konzerte und eine bevorstehende CD-Produktion fordern die Quintett-Mitglieder - wie sie selbst sagen - immer wieder neu heraus: „Jetzt gilt es, zu fünft zu diesem künstlerischen Gemeinschaftsgefühl zurückzufinden und aus diesem Gefühl heraus dann zu musizieren.“ Denn sich dem internationalen Podium eines Wettbewerbs zu stellen ist die eine Seite. Die andere Seite ist, sich nach dem Erfolg nicht auf den verdienten Lorbeeren auszuruhen, sondern weiter daran zu arbeiten, das erreichte künstlerische Niveau des Ensembles neben der täglichen Orchesterarbeit jedes einzelnen Quintett-Mitglieds auch zu halten. Reizvolles Bläser-Pendant zum Streichquartett

Chantily Bläserquintett Berlin
Als anspruchsvolle Kammermusikformation ist ein Bläserquintett das Pendant zum wesentlich besser im Konzertbetrieb etablierten Streichquartett. Für die Musiker des Quintetts Chantily ist diese Form der Kammermusik deswegen besonders reizvoll, weil hier sehr hochwertige und reizvolle Werke existieren, die jeden Instrumentalisten auf besondere Weise als Solisten im Ensemble fordern. Dabei reicht ihr Repertoire von den großen Bläserquintetten der Klassik bis zur Gegenwartsmusik wie z.B. Metallaxis des jungen zyprischen Komponisten Evis Sammoutis. Das extra von den Veranstaltern in Auftrag gegebene Metallaxis war das Pflichtstück für alle angetretenen Bläserquintette des ARD-Musikwettbewerbs 2006, und das Quintett Chantily ist diesem Werk in besonderer Weise verbunden. Denn die fünf Musiker erhielten dafür den gestifteten Sonderpreis für die beste Interpretation. „Wir haben in dieser Besetzung zu fünft künstlerisch einfach einen großen Spaß, denn wir haben festgestellt, dass wir musikalisch gut harmonieren und auch persönlich und menschlich gerne zusammen sind“, betont Florian Grube.

Gefragt nach der Bedeutung des Namens Chantily schmunzeln die Musiker. Eigentlich sei es ein Fantasiename, angelehnt an „chantilly“, was auf Französisch „Schlagsahne“ heißt. Und das paßt nun wiederum eigentlich auch ganz gut zu diesem Ensemble: seit seinem großen Wettbewerbs-Erfolg 2006 wird es von Publikum und Presse gleichermaßen enthusiastisch als das absolute „Sahnehäubchen“ unter den jungen Bläserquintetten gefeiert.

Kerstin Unseld arbeitet redaktionell und als Autorin für diverse Klassik- bzw. Kulturprogramme der ARD, ist im medien- und konzertpädagogischen Bereich als Autorin und Dramaturgin tätig und entwickelt Konzepte mit klassischer Musik speziell für Kinder und Jugendliche Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion