ARD-Preisträger verzaubern mit Hörschmeichlern

VON ANDREAS BRETTING
Gauting - Zum diesjährigen Abonnementkonzert präsentierte das Klassikforum einen Auftritt der Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2006. Ein anspruchsvolles Programm erfreute im ausverkauften bosco am Sonntagabend ebenso wie die Spielfreude der überwiegend ganz hervorragenden Solisten.
Den Auftakt machte die Sonate für Flöte und Klavier von Francis Poulenc. Obzwar ein Werk aus den 50er Jahren, schienen sich darin vertraute Musikströmungen neu zu verlieben. Klang in der ungemein klaren Flöte von Pirmin Grehl ein wenig Ravel durch, gaben die sensiblen Klaviertöne von Marianna Shirinyan einen Hauch romantischer Verklärung dazu. Fast tastend näherten sich die Musiker dieser herrlichen Klanggestalt, die zwischen sinnenfrohem Wirbeln und melancholischem Harren die überklare Transparenz eines herbstlichen Himmels erreichte.
Als weiteres Instrumentalstück wurde die Brahms-Sonate op. 100 für Klavier und Geige zu Gehör gebracht. Schön kam hier der elegant zurückhaltende Gestus von Ben Kim am Klavier zur Entfaltung. Nicht ganz so eindeutig vermochte man über Akiko Yamada zu urteilen, deren überreiches Tremolieren an der Geige wohl teils als besondere Originalität, teils auch als schlichte Nervosität gedeutet werden konnte. Beim Vortrag des jungen Gesangsduos aus Sopran und Tenor hingegen bebte der Saal vor Ehrfurcht und Hingabe. Die rassige Carmen- Grandezza der Deutsch-Chilenin Carolina Ullrich gesellte in Wolffs "Italienischem Liederbuch" zu mancher operettenhaft- kecken Gesangspartie noch den koketten Blick.
Kaum glaublich, doch dem für absolut gehaltenen Höhepunkt folgte ein ebensolcher. Mit Beethovens Quintett Es-Dur op. 16 zeigten die Holzbläser des Ensembles Chantily ihren ganzen Sanftmut. Ob Horn, Fagott oder Klarinette: Jeder der jungen Männer ordnete sich in den feinen Gestus der Oboe ein.
Dieser Hörschmeichler wird am 29. Oktober auf B 4 Klassik ausgestrahlt.

Quelle: Starnberger Merkur, Lokalteil Dienstag/Mittwoch, 2./3. Oktober 2007 | Nr. 227 Seite 7


Süddeutsche Zeitung, Würmtal SZ, 02.10.2007

Mit Preisträgern das große Los gezogen, Gewinner des ARD-Wettbewerbs 2006 spielen im Bosco

Chantily Bläserquintett Berlin Vorher hat es sie quasi gar nicht gegeben - und jetzt haben sie es geschafft! So der Eindruck, den man von Konzerten der Preisträger des ARD-Wettbewerbs immer wieder gewinnt. Beides stimmt nicht. Die jungen Musiker, die im Gautinger Bosco den Abend der Preisträger von 2006 bestritten, waren schon zuvor erfolgreich auf internationalen Bühnen unterwegs und errangen anderorts Auszeichnungen. Der ARD-Wettbewerb ist vielleicht ein hilfreiches Sprungbrett in die obersten Ränge, aber springen müssen die Musiker schon selbst.
Entscheidend blieb im Bosco, dass sie allesamt glänzende Musiker sind und mit jugendlichem Elan Begeisterung versprühten. Die Deutsch-Chilenin Carolina Ullrich (Sopran) und der Kanadier Colin Balzer (Tenor) konnten ihren emotionalen Liedgesang denn auch auf eine pianistisch überaus einfühlsame Basis stützen. Das Italienische Liederbuch von Hugo Wolff gab Ullrich und Balzer viel Freiraum für vergnügtes Farbenspiel zwischen Leidenschaft und Koketterie. Klar artikuliert bekamen die emotionalen Botschaften unaffektiert und doch tief berührend - insbesondere im Duett "Nur wer die Sehnsucht kennt" - von Shirinyan stets den adäquaten atmosphärischen Hintergrund, zudem in absoluter Homogenität zur gesanglichen Phrasierung.
Die wendige Pianistin überzeugte aber auch als Kammermusikerin. Mit Pirmin Grehl, der den ARD-Wettbewerb als Mitglied des Quintett Chantily bestritt, begab sie sich in die entrückten Sphären der Sonate für Flöte und Klavier von Francis Poulenc (1899 bis 1963). Poulenc gehörte zur "Groupe des six", die sich der Tonalität verpflichtet sah und auch ohne Chromatik klare Stimmungen zu schaffen verstand. Grehl und Shirinyan formten eine zauberhafte Bilderwelt.
Doch Kim konnte auch anders, als ihn vier Bläser des Quintetts "Chantilly" zu farbiger Vitalität hinrissen. Noch an Mozart angelehnt, erlaubt das frühe Klavierquintett Es-Dur op. 16 von Beethoven serenadenhafte Farbigkeit und Leichtigkeit. Florian Grube (Oboe), Johannes Zurl (Klarinette), der Russe Dmitry Babanov (Horn) und der frisch gebackene Solo-Fagottist der Münchner Philharmoniker Bence Boganyi aus Ungarn bewiesen höchste Homogenität in einem blühenden Klangkörper, der Kim mühelos adoptierte. Stets Ovationen.

REINHARD PALMER, Photo: Treybal